Fast im Jenseits – oder: Peppiges für die Predigt

Ein Neurowissenschaftler in Houston schreibt über das Leben nach dem Tod. Ganz ohne Scham blickt David Eagleman in die Intimssphäre Gottes und entdeckt – na was schon? Allzu Menschliches. Ein Mini-Thinktank voller Kurzgeschichten. Eine handelt von Gott, der Richterin. Gott quält sich mit der Urteilsfindung im Endgericht. „In jungen Jahren fiel ihr die Einteilung der Menschen in Gut und Böse leichter, doch je mehr Erfahrung sie sammelte, umso mehr litt sie unter ihrer Rolle als Richterin.“ Nach einigem Hin und Her findet sie eine „Neuregelung“ in der absoluten „Gleichbehandlung aller Menschen“. „Sünder wie Gerechte“ dürfen an ihrer Seite im Himmel sitzen. Das passt keinem der Menschen. Die „Kommunisten“ sind verärgert, dass sie die „ideale Gesellschaft“ einer Gottheit zu verdanken haben, die „Leistungselite“ ist empört, dass sie in einem „Haufen Faulenzer“ festsitzt, die „Konservativen haben keine Mittellosen, auf die sie herabschauen, und die Sozialdemokraten keine Geknechteten mehr, die sie aufrichten können“. Alle sind sich einig: Dies ist die Hölle. Und Gott? Sie liegt „nachts im Bett und weint“
(vgl. Eagleman, 9–12). BS

Fast im Jenseits von D. EaglemanDavid Eagleman,
Fast im Jenseits.
Oder warum Gott Frankenstein liest,
Campus Verlag Frankfurt/M. 2009

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