Herr Fleischhauer möchte verschont werden.

Im Weihnachtsgottesdienst wünscht der  SPIEGEL-Autor Jan Fleischhauer, von „Einlassungen zur politischen Lage“ verschont zu bleiben, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur idea. In evangelischen Gottesdiensten solle wieder mehr über Himmel und Hölle gepredigt werden statt über Politik. Die evangelische Kirche habe sich ihrer Kompetenz beraubt, über das Jenseits auskunftsfähig zu sein. Statt das kraftvolle Lutherdeutsch zu benutzen, befleißigten sich die Pastoren einer merkwürdigen Sozialarbeitersprache.

So deftig wie Sie es gerne hätten, kriege ich es nicht hin, aber vielleicht langt es ja so: Sie dürfen sich in dieser weichgespülten evangelischen Kirche gerne zu Weihnachten was wünschen. Aber ich bin mir sicher, dass sich die allermeisten Pfarrerinnen und Pfarrer dann doch mehr danach richten, was ihnen von der Bibel aufgegeben ist zu sagen.  Das machen sie vielleicht nicht immer perfekt und mancher Bezug zur Realität mag „naiv“ daher kommen. Aber das ist immer noch besser, als in einen Kinderglauben zurück zu fallen oder mit mittelalterlichen Vorstellungen von Himmel und Hölle daher zu kommen. Selbst wenn die Kirchen dann voller wären (was ich nicht glaube), wäre es eine Sünde, gegen die Gnade Gottes und die menschliche Vernunft zu predigen.

Sie schreiben in Ihrem Bestseller, Sie seien „aus Versehen konservativ“ geworden. Sehen Sie! Lassen Sie doch andere Menschen auch Fehler machen. Das meiste kann man wieder korrigieren.

Und um Ihren ungestörten Weihnachtsabend brauchen Sie sich übrigens auch als einer, der aus der Kirche ausgetreten ist, keine Sorgen machen: Ihre Freunde von idea werden Ihnen sicher einen garantiert politikfreien (oder wenn doch, dann wenigstens angenehm konservativen) Gottesdienst empfehlen können.

>>> Artikel auf der idea-Homepage

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Reformierter Kirchenpräsident ist der CO2-sparsamste Bischof

Wie die Deutsche Umwelthilfe in ihrem Dienstwagen-Check der deutschen Bischöfe herausgefunden hat, sind manche Kirchenfunktionäre richtige Umweltsünder, die sich einen CO2-Ausstoß von bis zu 290 Gramm leisten. Unter der sympathischen Überschrift „CO2 im Namen des Herrn: Die Bonzen-Schlitten der Bischöfe“ hat der FOCUS die Untersuchung veröffentlicht. Die Umweltbelastungen werden unter anderem konfessionsspezifisch aufgeschlüsselt und ergeben dann doch „ökumenisch“ einen akzeptablen Schnitt von 140 Gramm pro Kilometer.

Lobend hervorgehoben wird aber eben der Mercedes E300 BlueTEC Hybrid des neuen Kirchenpräsidenten der Evangelisch-reformierten Kirche Martin Heimbucher, der lediglich 107 Gramm/km in die ostfriesische Atmosphäre entlässt. Über solche positiven Schlagzeilen freuen wir uns doch!

Dem zur Nachahmung neigenden Kirchenmitglied oder Sympathisanten sei aber vor Augen gehalten, dass jede unterlassene Autofahrt weit sparsamer ist als die Neuanschaffung einer noch so sparsamen Karosse. Fahrrad, Nahverkehr und Bahn schonen die Umwelt und letztlich auch den Geldbeutel.

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Alles theologisch etwas dünn!

Günther Beckstein schmetterte jüngst bei dem im Vorfeld der EKD-Synode in Düsseldorf tagenden Treffen der Vereinigten Lutherischen Kirche (VELKD) in den Saal, die EKD brauche keine „Gundlach-Theologie“. Nach der Entschuldigung beim leitenden EKD-Theologen Thies Gundlach war der Eklat vom Tisch, aber ein Phänomen hatte einen Namen bekommen. Dieses lässt sich so auf den Punkt bringen: Wenn Du mit einer vorgetragenen Meinung nicht einverstanden bist, dann behaupte einfach, sie sei theologisch etwas dünn. Du kannst dann sicher sein, dass Viele in das selbe Horn blasen. Denn bei Anderen ein Defizit an theologischem Tiefgang zu kostatieren, stellt ja in Aussicht, man habe selbst erheblich weitergehende Erkenntnisse. Die sind natürlich nicht mal so eben schnell vorzutragen. Deshalb braucht es eine gut vorbereitete und breit angelegte Diskussion auf vielen Ebenen mit basisdemokratischen Entscheidungsprozessen … klar!

Irgendwie scheint es mir, dass sich das Argument der „theologisch dünnen Argumentation“ durch seinen inflationären Gebrauch verdächtigt macht. Wie oft wurde dieser Einwand nicht in den vergangenen Wochen, als es um das EKD-Familienpapier ging, aggressiv vorgetragen oder kleinlaut eingestanden. Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören. Vor allem deshalb nicht, weil die theologischen Diskussionen nämlich allerorten stattfanden: am Sonntag vor der Kirche, im Freundeskreis, in Internetforen und in Gemeinde-Gesprächskreisen. Und diese Diskussionen, die ich erlebt habe, fanden in der Regel auf einem wesentlich höheren Niveau statt als die öffentlichen Schlagabtausche.

Wer einen theologisch tiefbohrenden Diskurs wünscht, soll ihn doch einfach führen. Das ist doch heutzutage kein Problem mehr, die eigene Meinung oder auch die Meinung mehrerer Diskussionsteilnehmer zu veröffentlichen. Hier zum Beispiel.

 

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Google als “Stätte des Calvinismus“

Florian Illies betrachtet Google und Apple als “eine Frage des Glaubens“ Google
Seit dem 5. Januar verkauft Google ein eigenes Smartphone, das Nexus One. Eines der eingespielten Programme ermöglicht eine Bilderkennung des gerade fotografierten Gegenstandes im Internet. Demnächst soll diese Technik auch auf Personenerkennung ausgeweitet werden. Anlass für die Wochenzeitung “Die Zeit“ über den “neuen Weltgeist“ nachzudenken.
Florian Illies, Autor des Bestsellers „Generation Golf“, hat dazu eine kurze religiöse Anthropologie über den Menschen nach Google im Vergleich zum Menschen nach Apple geschrieben. Der Mensch nach Google, sei der, der seine Sünde „nie mehr büßen kann“. Die Suchmaschine erfasst auch noch die kleinste Jugendsünde. Konfessionell ist der Google-Mensch dem Protestantismus zuzuordnen, das zeigt die „asketische Auftaktseite“, „leer gefegt“ wie ein „niederländischer Kirchenraum nach 1566“. Ein Pendant zu Luthers „Ich stehe hier und kann nicht anders“ entdeckt Illies in Google Maps. Was die Website aber „natürlich“ zu einer „Stätte des Calvinismus“ mache, ist das Kernanliegen der Suchmaschine: „Durch Google verschwendet man keine Zeit für unnötige Suchen“. Soweit zu und nach Illies.
Reformierte Internetfreaks haben es schon immer geahnt … frage ich mich bloß, warum eine calvinistische Redakteurin sich die Zeit nimmt, darüber eine Meldung zu schreiben und dann auch noch ein Bild zu erstellen.
Die vier „Deutungsversuche“ zum Google „Welt-Geist“ im Feuilleton der Zeit vom 14. Januar 2010, Seite 41 sind online zu lesen:
http://www.zeit.de/2010/03/Google-Earth?page=2
P.S. Dem Apple iPhone als „Barockkirche unter den Mobilfunkgeräten“ bleibt es überlassen, den Katholizismus zu repräsentieren. BS

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